Highlight an der Grenze

Hier die versprochene Story zum Grenzübergang Ukraine -> Russland:

An der Grenze angekommen, müssen wir ja erst einmal aus der Ukraine ausreisen.
Die ganze Grenze war nicht unbedingt sehr hochwertig, um es mal vorsichtig auszudrücken:
Man kommt auf einer Schotterstraße an, dann kommt eine erste alte, manuelle Schiebeschranke neben der ein mini Häuschen mit Grenzwache steht.
Diese Schranke muss man nach erster Dokumentenkontrolle, Befragung usw. passieren um in den eigentlichen Grenzbereich zu kommen.
Dort findet dann die tatsächliche Kontrolle und Abwicklung statt: Erneute Abgabe aller Dokumente, Ausfüllen verschiedener Dokumente, Fahrzeugdurchsuchung usw.
Wenn alles erledigt ist, darf man durch eine weitere Schranke aus der Ukraine rausfahren.
Wir kommen nun also dort an und halten vor der ersten Schranke. In dem Grenzhäuschen steht eine sehr attraktive, blonde Grenzbeamtin mit Kalaschnikow auf dem Rücken.

uns stehen zwei Ukrainer in Zivilklamotten, wirkten auf den ersten Blick etwas suspekt und begutachteten natürlich sofort unser, in der Tat etwas auffälliges, Rally Mobil.
Nun kommen diese auch noch auf uns zu und versuchen auf russisch mit uns zu sprechen… nichts verstehen…
Allerdings konnten sie beide gebrochen englisch. Also fragten Sie erstmal: Rally? Rally Car? Tajikistan? Are you crazy? Aus Deutschland?

In der Zwischenzeit kam die Grenzerin und wollte unsere Pässe haben und nimmt diese mit in ihr Häuschen.
Wir wollten ja einfach nur schnell durch, also waren wir gar nicht so von diesem Gespräch begeistert, da wir auch nicht so ganz wussten, was sie von uns wollten und ob das bei den Grenzern so gut ankommt wenn man da an der Schranke große Gespräche führt.
Wir stellten fest, dass die beiden eigentlich sehr nett und lustig waren und sich einfach nur über uns und unser Auto gefreut haben. Außerdem war einer der beiden wohl mal vor vielen Jahren auf einem Armee Stützpunkt in Deutschland stationiert.
Also haben wir uns mit denen unterhalten während wir ja eh warten mussten.

Nun kam es wie es kommen musste: Die Beiden forderten uns auf Vodka mit denen zu trinken! Dabei waren wir doch noch von der Checkpoint Party angeschlagen und müssen doch beide nüchtern bleiben wenn wir uns beim Fahren abwechseln wollen.

Die Argumente zählten aber wohl irgend wie nicht so und wir wollten ja auch nicht unfreundlich sein. Außerdem sind wir doch genau wegen solcher verrückten Begegnungen die Rally mitgefahren?!
Auch wenn mir das ganze immer noch nicht so 100% geheuer war (an der Grenze vor den Beamten mit zwei Typen Vodka trinken?!) stimmten wir uns ab: Ich (Torben) gehe mit denen einen trinken und Stephan bleibt beim Auto und bleibt nüchtern zum Fahren.

Ich denen also hinterher und jetzt stellte sich also auch raus, dass die beiden zu den Holzhäuschen gehören, die z.B. die Kfz-Versicherungen verkaufen. Also gehören sie zwar nicht zu den Grenzbeamten, aber halt irgend wie zur Grenze dazu.

Also bin ich mit denen in ihrem gefühlt 1m² engen Raum, setze mich hin und Sergej und Alexej stellen eine volle, noch geschlossene Vodka Flasche auf den Tisch.
Bis dahin bin ich davon ausgegangen, dass ich „Kurze“ mit denen Trinke. Als die beiden dann aber 3 Kaffeebecher hinstellten, habe ich schon geahnt was auf mich zu kommt.
Immerhin haben Sie die Becher nicht ganz voll gemacht, sondern nur halb voll 😛

Also, erste Runde: Sa sdorowje!

Ich dachte natürlich, der hat den Becher so voll gemacht, damit man mehrfach davon trinken kann. Also hab ich nur einen kleinen Schluck genommen.

Auf diesen Denkfehler bin ich natürlich direkt hingewiesen worden: In one, in one. Ok, also muss ich das wohl exen! Wohl bekomms…

Kaum hab ich den Becher abgestellt schenkt Sergej uns die nächste Runde ein, während Alexej mir seine Tupperdose mit Kartoffelmus und Fleisch, einen Teller Brot und einen Beutel mit Gemüsen aus seinem Garten hinstellt: Eat, eat!
Da bietet er mir tatsächlich sein eigenes Mittagessen etc.
Alles hat sehr lecker geschmeckt und ich war völlig von deren Gastfreundschaft überrascht!

Nachdem wir dann innerhalb von 10 Minuten 3-4 Runden getrunken haben und in der Flasche nur noch etwa 1 Drittel drin war, rief Stephan mit einmal: Wir können rüber!

Fast schon schade, ich hatte gerade richtig Spaß mit den Beiden! Aber vielleicht auch besser, wer weiß wie viele Flaschen die noch gehabt hätten 😀

Die ganze weitere Grenzabwicklung auf ukrainischer Seite und vor allem später die Einreise auf russischer Seite für die man noch viel mehr Sachen ausfüllen muss etc. war nach dem Vodka natürlich nicht unbedingt leichter. Aber vielleicht dafür etwas lustiger 😉

Die ganze Aktion war einfach nur mega cool, sowas erlebt man nicht alle Tage und da werde ich wohl noch lange mit einem breiten Grinsen dran zurück denken 🙂

One Reply to “Highlight an der Grenze”

  1. Hallo Stephan und Torben, ich wünsche euch weiterhin eine spannende und schöne Tour. Probiert mal die kulinarischen Köstlichkeiten wie Schaschlik oder Pelmini. Kommt gut durch Kasachstan.

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